Tassiopeia
Tassiopeia
Zusammenfassung
Tassiopeia ist ein Kommunikationsgerät für Menschen in Fernbeziehungen. Es nutzt eine Tasse als Träger für ein gemeinsames Morgenritual und überträgt taktile Muster von einer Tasse zur anderen. Eine subtile und haptische Lösung, um eine intime Beziehung zu schaffen, wenn tatsächlicher körperlicher Kontakt nicht möglich ist.
Konzept
Unser Projekt entstand aufgrund der Corona Pandemie. Viele Menschen sind voneinander getrennt und vermissen den direkten Kontakt. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, wurden Kommunikationsformen wie Videoanrufe und Textnachrichten zu wesentlichen Bestandteilen unserer sozialen Interaktion. Daher entwickelten wir eine Lösung, um echte menschliche Interaktionen und Beziehungen zu unterstützen. Fernkommunikation war oft audiovisuell, während es allgemein bekannt ist, dass wir körperlichen Kontakt mit anderen Menschen benötigen.
Unsere Ausgangsfrage war einfach: Kann taktile Stimulation die emotionale und intime Verbindung zwischen Menschen verstärken?
Inspiration
Wir ließen uns von haptischen Projekten und Produkten wie “inFORM” von Daniel Leithinger, Sean Follmer, Alex Olwal, Akimitsu Hogge, Hiroshi Ishii, der “Friendship Lamp” von LuvLink, “Mobile Feelings” von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau oder “skinofon” von Márta Csige inspirieren, die entweder Menschen über große Entfernungen verbinden oder eine Art von körperlicher Interaktion verstärken.
Wir diskutierten Ideen und größere Fragen, die wir angehen wollten. Wir reduzierten das Ganze dann auf ein Konzept, auf das wir uns konzentrieren konnten. Wir stellten uns beispielsweise Fragen wie: Was ist eine gute Umarmung? Wie können wir in Videoanrufen Augenkontakt halten? Bringt Berührung immer Intimität? Und welche Rituale nutzen wir, die mit Berührung verbunden sind?
Pretotyping
Mit 10-Sekunden-GIFs als Pretotyping-Methode erkundeten wir erste Pretotypen. Einige basierten auf bestehenden Produkten, wie z.B. Smartphones. Andere schlugen die Verwendung eines flexiblen, “hautähnlichen” Materials wie Silikon oder Gummi vor, um ein organisches Gefühl und eine flexible Oberfläche zu erzeugen.
Ausgangsituation
Stellen Sie sich vor: Anna und Luis führen eine Fernbeziehung, wie viele Menschen in Zeiten von Covid-19. Anna ist gerade aufgewacht und liegt noch im Bett. Die Tasse, die immer auf ihrem Nachttisch steht, aktiviert sich plötzlich. Luis hat gerade sein morgendliches Kaffee-Ritual begonnen. Anna nimmt die Einladung an und bereitet sich selbst Kaffee zu. Danach können sie ihren Kaffee zusammen genießen, ohne sich physisch am selben Ort zu befinden.
Wie können sie das gemeinsam genießen? Finden wir es heraus!
Der User Flow
Der User Flow ist einfach. Luis initiiert die Interaktion, indem er die Tasse berührt, was ihm taktiles Feedback gibt. Annas Tasse wird aktiviert (Lichtsignal), und Luis füllt den Kaffee mit einer wellenförmigen Bewegungsmuster in die Tasse. Er kippt die Tasse, um daraus zu trinken, wobei eine Bewegungsmuster simuliert wird, die das Kippen nachahmt. Sobald Anna ihre Tasse berührt, erhält Luis ebenfalls ein Signal.
Technische Prototypen
Version 1
Unser erster Prototyp basierte auf einem Aufblaspfropfen, in den wir Löcher für unsere Kolben geschnitten hatten. Das war die einfachste Lösung, um den benötigten Raum zu schaffen und die Interaktion zu ermöglichen. Obwohl man aus diesem Prototyp nicht trinken kann, könnte er ein erster Schritt in diese Richtung sein und für einen offeneren Ansatz stehen. Er beinhaltete auch die Idee, das Prototyp mit flexiblem Material zu umgeben, um eine angenehmere Haptik zu erzielen.
Version 2
Im zweiten Prototyp kehrten wir zum ursprünglichen Konzept zurück und betrachteten die optimale Form für die Tasse. Ein Modell wurde in Fusion 360 erstellt, und die verschiedenen Komponenten wurden zusammengebaut, um einen integrierteren Prototyp herzustellen. Dies erforderte den Einsatz von zwei Prototypen.
Der neu entwickelte Prototyp enthält nun verschiedene Ausgaben:
- Neigungs-Anzeige: Wenn die andere Tasse berührt wird, zeigt die Tasse die Neigung der ersten Tasse an.
- Weckfunktion: Wenn die andere Tasse berührt oder anderweitig verwendet wird, aktiviert sie diese.
- Direkte Übersetzung: Sie überträgt die Intensität der Berührung auf die andere Tasse.
Ästhetik
Das Designteam ließ sich von Produkten mit einer matten Oberfläche inspirieren, die eine Art Geschichte oder Charakter haben. Vereinfachte Tiermotive könnten beispielsweise den Pareidolia-Effekt verstärken, der das Phänomen beschreibt, bei dem Menschen in fast allem Gesichter sehen.
Eine Schildpattschale wurde als Basismaterial gewählt, und ein Prototyp wurde in einer gleichmäßig bauchigen Form geformt, wie in Prototyp 2 zu sehen ist. Die Hexagon-Formen wurden von der Schale inspiriert.
Ergebnis
Das Ergebnis des Projekts “Tassiopeia” ist ein Prototyp mit funktionellen und ästhetischen Aspekten. Der Körper der Tasse wurde in CAD entworfen und 3D-gedruckt.
Key Takeaways
- Die Zuständigkeit für Aufgaben sollte klarer verteilt sein
- Kleine umsetzbare Ziele helfen den Prozess am Laufen zu halten.
- Frühzeitige Benutzertests durch, um mögliche Probleme zu identifizieren.
- Remote Work kann herausfordernder sein, weil Diskussionen schwerer zu bearbeiten sind.
- Die Iterationen könnten mit klarerer Methodologie schneller erreicht werden.
Ausblick
Wir möchten Benutzertests mit Prototypen durchführen, um wertvolles Feedback für die zukünftige Entwicklung des Projekts zu erhalten. Dieses Feedback wird die Verfeinerung des Prototyps beeinflussen, wobei der Fokus auf der Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit des Konzepts liegt. Iteration wird entscheidend sein, um eine kontinuierliche Verbesserung und Anpassung an die Bedürfnisse und Vorlieben der Benutzer zu ermöglichen.
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Credits: 3D-Visualisierungen von Leon Moehring
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Skills
Interaction Design, C#, Prototyping, Arduino, Physical Computing
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Client
Köln International School Of Design
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Team:
Leon Moehring, Ronja Preuss